(nach Michael Lukas Moeller)

Ein Zwiegespräch vertieft eure Partnerschaft, schafft Nähe und ein Wahrnehmen eures Partners/eurer Partnerin auf einer ganz anderen Ebene, von einer ganz anderen Seite.

"In den letzten drei Monaten mit Zwiegesprächen haben wir mehr voneinander erfahren als in den zehn Ehejahren vorher."

In einem Zwiegespräch spricht jeder von euch über das was ihn/sie bewegt; wie er/sie sich, den/die andere(n), die Beziehung und sein/ihr Leben erlebt. Jeder bleibt bei sich. Das Zwiegespräch hat kein anderes Thema.

Ziel eines Zwiegespräches ist es, dass ihr euch gegenseitig "einfühlbar" macht. Nur so könnt ihr euch gegenseitig wirklich miterleben.

So beugt ihr einem inhaltsleeren "nebeneinander-her-leben" vor. Stattdessen kommt ihr zu einem lebendigen Miteinander.

Regelmäßigkeit

Wichtig ist, dass ihr die Zwiegespräche regelmäßig macht. Am besten wöchentlich. So könnt ihr verhindern, dass Konflikte aufgeschoben werden. Und der unbewusste rote Faden der Zwiegespräche bleibt erhalten.

Steckt ihr bereits tief in einer Beziehungskrise ist es sinnvoll zweimal pro Woche ein Zwiegespräch zu führen.

Dauer

Ein Zwiegespräch sollte ca. 90 Minuten lang sein. Das ist eine Zeitspanne, in der wir uns relativ anstrengungsfrei konzentrieren können.

Dauern die Zwiegespräche zu lange (mehr als 90 Minuten) kann sich eine unbewusste Erschöpfung einstellen, was zu erhöhter Gereiztheit führt.
Dies verführt uns dazu, aggressive Themen auszuwählen. Wir bearbeiten dann aber unbewusst die aggressive Gereiztheit und nicht das, was uns im Leben bewegt.

Themen

Jeder spricht über das was ihn im Moment am stärksten bewegt.
Wie erlebe ich meine Beziehung? Wie erlebe ich den/die andere(n)?

Zwiegespräche sind allerdings kein Offenbarungszwang. Jeder von euch entscheidet für sich, was und wie viel er/sie sagen will.
Beide lernen durch die Erfahrung, dass größtmögliche Offenheit am weitesten führt.

Regeln

  • Das Zwiegespräch sollte in einem Rahmen stattfinden, in dem ihr ungestört seid.
    Zwiegespräche sollten weder beim Auto fahren, Spazieren gehen noch im Restaurant stattfinden. Und - das Handy bleibt aus. Die Ablenkungen sollten so gering wie möglich sein. Ihr solltet ungestört sein und euch aufeinander konzentrieren können.
  • Vereinbart einen festen Termin pro Woche, an dem ihr beide Zeit habt. Sucht euch gleich noch einen Ersatztermin aus. Dieser gilt dann, wenn der Haupttermin ausfallen muss.
  • Jeder hat gleich große Anteile an Reden und Zuhören. Gut bewährt hat sich die "Viertelstundenregelung". D.h. jeder hat fünfzehn Minuten für sich. Diese kann er für Sprechen und Schweigen verwenden.
    Danach ist der andere an der Reihe.
  • Nach 90 Minuten wird das Zwiegespräch beendet. Es wird nicht kommentiert, "nachdiskutiert" oder weiter über die angesprochenen Themen geredet.
  • Es dürfen keine Fragen gestellt werden und keine Ratschläge erteilt werden!
    Wenn der eine redet schweigt der andere. Jeder ist frei in der Wahl des Themas und sagt so viel er sagen will. Es gibt keinen Offenbarungszwang.
  • Jeder bleibt bei sich. In der Welt des Anderen hat man nichts zu suchen. Keine Interpretationen, Vorwürfe oder Unterstellungen.
  • Jeder redet in der "Ich-Form". Es gibt kein anderes Thema als das eigene Erleben.
  • Zwiegespräche werden weder verlängert noch verkürzt.

Fünf Bedingungen einer guten Beziehung

(Quelle: Das Paar im Gespräch - Michael Lukas Moeller)

  • "Ich bin nicht du und weiß dich nicht."
    Wir können lernen, von der wechselseitigen Unkenntnis auszugehen statt von der gleichen Wellenlänge.
  • "Wir sind zwei Gesichter einer Beziehung und sehen es nicht."
    Wir können lernen, unser gemeinsames unbewusstes Zusammenspiel wahrzunehmen, statt uns als zwei unabhängige Individuen aufzufassen.
  • "Dass wir miteinander reden, macht uns zu Menschen."
    Wir können lernen, regelmäßige wesentliche Gespräche als Kreislauf einer lebendigen Beziehung zu begreifen, statt mit Worten unsere Beziehung nur noch zu verwalten.
  • "In Bildern statt in Begriffen sprechen."
    Wir können lernen, in konkreten Erlebnissen statt in Gefühlsbegriffen zu sagen, was wir meinen.
  • "Ich bin für meine Gefühle selbst verantwortlich."
    Wir können lernen, auch unsere Gefühle als unbewusste Handlungen mit geheimer Absicht zu verstehen, statt zu meinen, sie überkämen uns von innen - wie Angst und Depression - oder würden uns von außen gemacht - wie Kränkung und Schuldgefühl.

Nach der ersten Begeisterung

Nach der ersten Euphorie, die ca. drei Zwiegespräch anhält kommt die Ernüchterung. Eine ernstere Stimmung macht sich breit.

In den ersten drei Gesprächen werdet ihr viele unausgesprochene Dinge ansprechen was zu einer Entlastung führt.

Nach spätestens dem dritten Zwiegespräch geraten diese ins Stocken.

Nun besteht die Gefahr, dass ihr die Zwiegespräche ausfallen lasst, sie abkürzt oder an andere Orte (z.B. Spaziergang, Autofahrt) verlegt.
Durch diese Unterbrechungen oder Ablenkungen stört ihr euren gemeinsame Entwicklungsprozess.

Oft wandern die Themen von "Was bewegt mich im Moment am stärksten?" zu Alltagsproblemen, die Kinder, die Nachbarn, Politik etc. Aus einem "von sich" wird ein Sprechen "über etwas".

Passiert dies, ist es Zeit, dass ihr ein Zwiegespräch über das Zwiegespräch führt.

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